Sonntag, 21. September 2014

Kritik: "Straßen in Flammen"

„Straßen in Flammen“ (1984), Regie: Walter Hill

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"Streetsposterart" by Distributed by Universal Pictures. Licensed under Fair use via Wikipedia.

Die Motorradgang „The Bombers“ mit ihrem Anführer Raven (Willem Dafoe) entführen während eines Rockkonzerts die Sängerin Ellen Aim (Diane Lane). Ihr Ex-Freund Tom Cody (Michael Paré), der sich als Söldner durchs Leben schlägt, lässt sich von ihrem Manager Billy Fish (Rick Moranis) anheuern, um sie aus der Gewalt ihrer Entführer zu befreien.

Direkt nach Ende der Dreharbeiten zu „Nur 48 Stunden“ machte sich Walter Hill daran ein Traumprojekt zu schreiben und umzusetzen: „Straßen in Flammen“ sollte der Auftakt einer Reihe von Filmen über den Einzelgänger und Ex-Soldaten Tom Cody werden.

Leider entpuppte sich das Projekt als Flop und Walter Hill musste seinen Traum von einer Trilogie begraben. Was war schiefgelaufen? „Straßen in Flammen“ ist ein stark stilisiertes Actionmärchen-Musical mit einem Crossover aus Moderne und 50er Jahre Stil. Hill macht sich gar nicht erst die Mühe irgendwelche Charaktere zu entwickeln. Hier werden Archetypen aufeinander losgelassen. Das Problem dabei ist, dass man in so einem Fall auch die entsprechenden Schauspieler benötigt, die diese Archetypen glaubhaft darstellen können. Und in genau diesem Punkt scheitert der Film: Michael Paré in der Rolle des schweigsamen Helden Tom Cody bleibt viel zu blass, Diane Lane als Rocksängerin Ellen Aim wirkt abseits der Konzertbühne viel zu jung und unerfahren für diese Rolle. Willem Dafoe als Bösewicht Raven ist der einzige der Hauptdarsteller, der der Intention gerecht wird. Immerhin schaffen es Amy Madigan und Rick Moranis in ihren Nebenrollen einen guten Eindruck zu machen.

Enttäuschend sind außerdem die langweiligen Songs, die von Jim Steinman und Ry Cooder beigesteuert wurden: Insbesondere die Lieder von Steinman wirken wie Stücke von der Resterampe Dieter Bohlens, die einst Bonnie Tyler zugedacht waren und aber von ihr zurückgewiesen wurden.

Auch wenn der Film zu einer Art Kultfilm geworden ist: Von einigen kleinen Momenten abgesehen: Ein ganz schwacher Film.

Donnerstag, 18. September 2014

Kritik: "Verdammt, die Zombies kommen - The Return of the Living Dead"

"Verdammt, die Zombies kommen - The Return of the Living Dead" (1985), Regie: Dan O'Bannon


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"The Return of the Living Dead (film)". Via Wikipedia.

1985 markiert das Jahr, wo Zombies endgültig im Mainstream angekommen waren. Im Jahr zuvor hatten Michael Jackson und John Landis ihnen im Video zu Thriller das Tanzen beigebracht und in der Folge kamen in der zweiten Hälfte der 80er mehrere Komödien (u.a. Re-Animator, Die Nacht der Creeps, Blood Diner) in die Kinos, die sich der schaurigen Monster annahmen.

"The Return of the Living Dead" war dabei so ziemlich die erste Zombiehorrorkomödie und dabei auch noch zu einem finanziellen Erfolg wurde. Der Film selber jedoch, ist in der Rückschau bei weitem nicht so gut wie sein Ruf. 

In einem medizinischen Warenlager setzen zwei Arbeiter versehentlich ein militärisches Kampfgas frei, das die Toten zum Leben erweckt. Die Versuche, das Problem auf eigene Weise zu lösen führt dazu, dass sich alle Leichen des nahe gelegenen Friedhofs aus ihren Gräbern erheben. Das folgende Geschehen wird am besten mit einem Slogan deutlich, den sich Simpsons-Erfinder Matt Groening für einige Trailer des Films ausgedacht hatte: "Sie sind hungrig und sie sind keine Vegetarier!"

Gerade die erste Hälfte des Films wirkt leider reichlich unbeholfen inszeniert. "RotLD" war Dan O'Bannons erste Regiearbeit. Zuvor hatte er mit verschiedenen Drehbüchern ("Alien", "Das fliegende Auge") auf sich aufmerksam gemacht und war mitverantwortlich für John Carpenters Debütkultfilm "Dark Star - Finsterer Stern" gewesen; hier zeigte sich aber, dass er erhebliche Probleme in der Schauspielführung hatte, so dass die Leistung der Akteure zwischen Bauerntheater und passablem Trash schwankt. Komik durch manisches Agieren zu ersetzen funktioniert halt in seltensten Fällen. Ich hätte mir gewünscht, wenn der Film realistischer angefangen hätte und sich erst dann nach und nach in seine Albernheiten gesteigert hätte.

Nach der Hälfte des Films beginnen aber endlich die Witze zu zünden. Ein guter Gag löst den anderen ab und O'Bannon packt so viele phantastische Ideen in die Geschichte, dass es kein Wunder ist, dass der Film diverse Fortsetzungen hatte.

Die Zombies haben nicht viel gemein mit den lebenden Toten aus den Filmen von George A. Romero. Sie sind nicht nur so schnell und agil, wie ihre späteren Nachfahren in Filmen wie "28 Days later" oder dem "Dawn of the Dead"-Remake, nein, sie können sogar sprechen: Wenn mal nicht genügend lebendes Futter zur Hand ist, greifen sie daher schon mal zum Funkgerät und fordern: "Schickt....mehr....Cops!"

Während die Romero-Filme nicht nur gruseln wollen, sondern auch sozialpolitische Themen behandeln, will "The Return of the Living Dead" nur eins: Unterhalten.

Mit einigen Abstrichen gelingt ihm das auch. Als Partyfilm ist der Streifen jedenfalls voll und ganz zu empfehlen. Für zarte Gemüter ist "RotLD" vielleicht zu brutal; dass er jedoch lange Zeit indiziert war, ist dann aber doch übertrieben gewesen. Die Freigabe ab 16 Jahren geht absolut in Ordnung.

Mittwoch, 17. September 2014

Kritik: "Nur 48 Stunden" / "Und Wieder 48 Stunden"

"Nur 48 Stunden" (1982), Regie: Walter Hill


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"Forty eight hrs" by http://www.impawards.com. Licensed under Fair use via Wikipedia.

4. August 1982

Regisseur Walter Hill dreht sich, nachdem eine der wichtigsten Szenen im Kasten ist, zu Produzent Joel Silver um und sagt:"Ich bin reich!"

Der Dreh dieser Szene war der Moment als ein Star geboren wurde, der die Kinolandschaft für die kommenden zwei Jahrzehnte prägen sollte: Bei der besagten Szene handelte es sich natürlich um die Sequenz in der Eddie Murphy in einer Redneck-Bar die Kundschaft aufmischte.

Noch zwei Monate zuvor hatte das Filmstudio Paramount die Hosen voll: "Der Film ist nicht witzig genug. EDDIE ist nicht witzig genug."

Tja, so kann man sich täuschen. "Nur 48 Stunden" ist ein Meisterwerk des Actionfilms. Er hat in den vergangenen 32 Jahren weder an Witz, noch an Spannung eingebüßt. Und er ist überraschend aktuell. Nach den immer wieder erschreckenden Meldungen über Rassismus in den Vereinigten Staaten, hat der Moment, wenn Eddie Murphy gegenüber den Rednecks verkündet "There's a new sheriff in town!" nichts von seiner Brisanz verloren.

"Nur 48 Stunden" handelt vom Cop Jack Cates (Nick Nolte, wundervoll durch seine Dialoge grummelnd), der versucht die zwei flüchtigen und äußerst brutalen Gangster Gantz und Billy Bear dingfest zu machen. Sein einziger Anhaltspunkt ist dabei Reggie Hammond, ein ehemaliger Partner von Gantz, der aber noch im Gefängnis sitzt. Cates holt Hammond aus dem Knast, um ihm bei der Fahndung zu helfen. 48 Stunden verbleiben ihm, bis Hammond wieder einsitzen muss. Genau 48 Stunden um die Gangster zu fassen.

Walter Hill inszeniert den Film wundervoll und ohne Mätzchen. Sein Stil ist nahezu unsichtbar: Ganz nebenbei gelingen ihm dabei phantastische Sequenzen, wie das Chaos auf einer Polizeistation relativ am Anfang des Film, in der Hill die Szenerie in einer unglaublichen langen Einstellung ohne jeglichen Schnitt einfängt - ohne jemals dabei den Eindruck erwecken zu wollen: Guck mal, was ich für ein toller Regisseur bin.

Mit Frauenfiguren kann Walter Hill auch hier nichts anfangen. Annette O'Toole spielt die Freundin von Nick Nolte, die so ihre Probleme mit dem rauen Cop hat. Aber die Figur ist im Grunde nur da, um das Privatleben von Jack Cates anzudeuten und hat keine Substanz. Der Rest der weiblichen Charaktere löst bei Alice Schwarzer garantiert nur Sodbrennen aus.

"Nur 48 Stunden" bildet zusammen mit "Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis" die Speerspitze des Buddy Cop Genres aus den 80er und 90er Jahren. Danach kommt lange nichts mehr.

Lesetipp: Die 48hrs Tagebücher (10-teilig) des Drehbuchautoren Larry Gross über die Dreharbeiten zum Film.


"Und wieder 48 Stunden" (1990), Regie: Walter Hill


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"Another forty eight hours". Via Wikipedia.

Manchmal hat man einfach Fortuna auf seiner Seite. Ist ein Film ein Riesenerfolg (hier sowohl beim Publikum als auch bei Kritik), da werden natürlich die Begehrlichkeiten geweckt, dass man mit einer Fortsetzung die Magie des ersten Films wiederholt.
Wenn man dann auch noch die Stars und den Regisseur wiedervereint - was kann da schon schiefgehen? Nichts, wenn der Film "Lethal Weapon 2 - Brennpunkt L.A." heißt. Dummerweise muss ich hier aber ein paar Worte über "Und wieder 48 Stunden" niederschreiben und bei diesem Machwerk hatte Fortuna Urlaub.

Das größte Problem von "Und wieder 48 Stunden" ist das Drehbuch, dass sich nicht besonders viel Mühe gibt, um die Protagonisten wieder zu vereinen. Die Witze sind schwach und die Streitereien zwischen Nick Nolte und Eddie Murphy, die einen enormen Teil des Charmes im ersten Film ausmachten, wirken nur noch angestrengt. Dies wird noch durch die deutsche Synchronisation verstärkt, die Nolte rassistische Beschimpfungen gegenüber Eddie Murphy in den Mund legt, die auf der Originaltonspur nicht zu finden sind.

Der Film schiebt zudem zeitweilig die Hauptgeschichte einfach beiseite, um kleine, vermeintlich witzige Szenen zu präsentieren, die einfach nicht zünden wollen.

Ab der zweiten Hälfte des Films greifen zumindest die Plotmechanismen und das Filmhandwerk, um auf einem sehr niedrigen Niveau zu unterhalten. Aber Spaß machen weder die Schauspieler, die Actionsequenzen (mit der Ausnahme von einem visuellen Gag mit Russ Meyer-Ikone Kitten Natividad), noch die uninspirierte Regie.

Einfach nur den Gehaltsscheck einzulösen und am Set aufzutauchen, reicht eben nicht aus, um einen einigermaßen vernünftigen Film hinzubekommen.

Ich war froh, als der Film vorbei war.

Montag, 15. September 2014

Kritik: "Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou"

"Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou" (2004), Regie: Wes Anderson


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"Lifeaquaticposter". Via Wikipedia.

In "Die Tiefseetaucher" spielt Bill Murray (brillant wie immer) den Meeresforscher und Filmemacher Steve Zissou, der seine besten Zeiten weit hinter sich gelassen hat. Gefangen in tiefer Depression und der damit verbundenen Unfähigkeit Gefühle zu empfinden und zu äußern, lebt er sein Leben in einer Art Wachkoma. Sein bester Freund und Partner Esteban wurde jüngst von einem "Jaguar-Hai" gefressen und sein neuestes Unterfangen ist es, das Raubtier wiederzufinden und zu töten. 

Auch wenn es sich in Teilen so anhört, so ist der Film weder Komödie, Tragödie, Drama oder Actionfilm. Das einzige Genre, dem der Film angehört, ist der Name des Regisseurs: Wes Anderson.

Ich frage mich, ob Anderson mittlerweile seine Art Filme zu machen patentiert hat. Wes Anderson (Ich kannte bisher nur "Rushmore" und "Die Royal Tenenbaums") präsentiert seine Geschichten immer auf höchst artifizielle Weise. Der Schauspielstil, die Ausstattung, der Soundtrack: Immerzu scheint der Film zu schreien:"Schau mich an! Ich bin ein KINOFILM! Ich bin nicht echt". Wo andere Filmemacher versuchen, die Zuschauer mit allen Tricks, die Ihnen zur Verfügung stehen, in den Film hineinzuziehen, so sind die Werke von Wes Anderson wie Gemälde in einem Museum: Sich darin zu verlieren, benötigt die Mitarbeit des Betrachters.

Bevölkert wird "Die Tiefseetaucher" von einem wundervollen Ensemble (u.a. Anjelica Huston, Cate Blanchett, Owen Wilson), wobei Willem Dafoe als Klaus Daimler, der schwäbischen rechten Hand Zissous den anderen Schauspieler zunehmend die Schau stiehlt.

"Die Tiefseetaucher" lässt Steve Zissou nach und nach aus seiner tiefen Depression erwachen und wieder Mensch werden. Der Auslöser hierfür ist das Zusammentreffen mit Ned Plimpton (Owen Wilson), der vielleicht - aber vielleicht auch nicht der leibliche Sohn von Steve Zissou ist. Cate Blanchett spielt eine Journalistin, die einen großen Artikel über Zissou schreiben soll, aber mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen hat. Hinter der künstlichen, scheinbar kühlen Fassade des Films, brodeln wahre Emotionsstürme.

"Die Tiefseetaucher" ist ein sehr drollig-komischer Film, exquisit gefilmt und inszeniert, dem es gelingt in seinen Schlussminuten äußerst anrührend zu werden.

Sehr zu empfehlen.

Kritik: "Der City Hai"

"DER CITY HAI" (1986), Regie: John Irvin


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"Raw deal" by May be found at the following website: http://www.impawards.com/1986/raw_deal.html. Licensed under Fair use via Wikipedia.

Im Frühsommer 1986 liefen im Abstand von zwei Wochen Filme der Actionschwergewichte Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger an. Als erstes kam Stallones "Die City-Cobra" in die Kinos und war ein großer Kassenerfolg. Schwarzeneggers Film "Der City Hai" ging dagegen vollkommen im Kino unter. Die Kritiken waren böse und machten sich über Schwarzeneggers Kampf mit der englischen Sprache (wiedereinmal) lustig. Der Flop war so gigantisch, dass die Firma von Dino De Laurentiis bankrott ging und die Rechte an der Verfilmung von "Total Recall" an Carolco verkauft wurden. "City Hai" ist es somit zu verdanken, dass wir auf eine Total Recall-Verfilmung mit Patrick Swayze in der Hauptrolle verzichten müssen.
Vermutlich aufgrund dieser Vorgeschichte gehörte für mich "Der City Hai" wie ein verstoßenes Stiefkind zur Filmographie von Schwarzenegger. Ich war auf das schlimmste gefasst. Aber - Holla, die Waldfee! - wie kann man sich doch täuschen:
"Der City Hai" ist alles andere als die filmische Katastrophe, die man uns weiß machen wollte.
Fahren wir doch mal ganz kurz eine Auflistung der beteiligten Personen auf:
- Regisseur ist John Irvin, der den übergalaktischen Horrorfilm "Ghost Story" mit Fred Astaire und Alice Krige gedreht hat
- Schnitt: Anne V. Coates (Lawrence von Arabien)
- Kamera: Alex Thomson (Legende, Die Reise ins Labyrinth, Alien3, Cliffhanger)
Dieses Personal garantiert größtmögliche handwerkliche Perfektion. Weit entfernt vom heutigen Wackelkamerastil und Stakkatoschnitt wird die Action hier jederzeit geographisch übersichtlich und präzise präsentiert. Ist die Szene ernst und düster, tut jeder Schlag im Film sichtbar weh. Ist die Szenerie dagegen eher leichter und überdreht, so wird die Action ebenfalls comichafter.
Aber kommen wir mal zum unglaublichsten Teil: Arnold Schwarzenegger schauspielert und zwar richtig gut! Ja, die Kritiker haben zum Teil recht. Wenn Arnold einen Satz wie "He molested, murdered and mutilated her!" sagen soll, klingt das ziemlich unrund, aber es ist traurig, dass man übersehen hat, dass er hier gefordert wurde eine wirkliche Figur zum Leben zu erwecken. Arnold spielt keine dumpfe Actionpuppe, sondern einen ziemlich smarten Undercovercop, der eine Mafiabande zu Fall bringt. Natürlich bekommt Arnie auch wieder diverse Sprüche in den Mund gelegt, dies ändert aber nichts daran, dass er auch jenseits dieser Sprüche eine wirklich witzige und zum Teil subtile Performance zeigt. Und wir reden hier absolut nicht von unbeabsichtigter Komik.
John Irvin reichert den Film darüber hinaus mit sehr viel visuellem Witz an und sorgt dafür dass alle wichtigen Hauptfiguren ausreichend Raum bekommen, um nicht nur irgendwelche Stichwortgeber zu sein, damit die nächste Actionsequenz starten kann. Ich war regelrecht geschockt, wie viel Raum der Film Darren McGavin, in der Rolle des ehemaligen Vorgesetzten und Mentors von Schwarzenegger gibt, um dessen Trauer und Wut über den Tod seines Sohnes darstellen zu können. Aber auch die Bösewichter werden nicht nur als Pappkameraden dargestellt. Auch ihren Schauspielern gibt Irvin die Möglichkeit anhand kleiner Charaktermomente, ihre Figuren dreidimensionaler als in vielen anderen Filmen auszugestalten.
Leider kann der Film seine Qualität in der zweiten Hälfte nicht halten und wirkt zunehmend belanglos. Aber wenn der Film dann zu sehr in 08/15 Territorium abzudriften droht, zeigt John Irvin zumindest noch britischen Witz: Eine klassische Standardactionszene in der Arnie in seinem Coupe herumfährt und haufenweise Leute abballert, konterkariert Irvin in dem es lauthals von der Tonspur "(I can't get no) Satisfaction" von den Stones dröhnt. Herrlich!
Ein übersehenes Kleinod aus der frühen Schaffensphase von Arnold Schwarzenegger.

Kritik: "Der Prinzipal - Einer gegen alle"

"Der Prinzipal" (1987), Regie: Christopher Cain


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"Principalposter1987" by Impawards. Licensed under Fair use via Wikipedia.

James Belushi ist für mich immer ein spannender Schauspieler gewesen. Wie sein Bruder John mit großen komödiantischen Talent gesegnet, hatte man bei ihm aber zeitgleich das Gefühl, dass unter der Oberfläche eine Lunte brennt und eine gewaltige Explosion bevorsteht. Es ist eine Schande, dass Hollywood ihn nicht besser zu nutzen wusste.
Belushi hatte Mitte bis Ende der 80er Jahre ein paar (nicht übermäßig große) Kinoerfolge als Hauptdarsteller und verschwand schließlich in Nebenrollen bis er mit seiner lustigen aber nicht sonderlich originellen Sitcom "Immer wieder Jim" ab 2001 langjährig im TV zu sehen war.
"Der Prinzipal" war die erste große Hauptrolle im Kino für ihn und auch wenn der Film nicht sonderlich erfolgreich war, ist es doch ein Schaukasten für sein unglaubliches Charisma.
James Belushi spielt den heruntergekommenen Lehrer Rick Latimer, der nachdem er mal wieder besoffen ausgerastet ist, eine unerwartete Beförderung erhält: Er wird zum Rektor der "Brandel High" auserkoren. Es erwartet ihn eine faustdicke Überraschung. Die Schule ist noch heruntergekommener als er selbst. Drogen und Gewalt stehen auf dem Schulplan, statt Mathe und Literatur.
Aber Rick Latimer hat vor dies, gemeinsam mit dem Hausmeister (Louis Gossett jr.) und einem Baseballschläger, nachhaltig zu ändern.
Wie man schon an der Inhaltsangabe sieht hat der Film nicht wirklich was mit Sozialschmonzetten a la "Dangerous Minds" zu tun. Es ist ein ein waschechtes B-Movie-Actiondrama, das sehr routiniert inszeniert ist und hochspannend erzählt wird.
Natürlich kann fällt der Film in die Kategorie einer "White Savior"-Geschichte, wo ein weißer edler Ritter die armen schwarzen Kids rettet, aber der Film macht eines sehr deutlich: Die Misere an der Brandel High haben nicht die (schwarzen und Latino-)Kids zu verantworten, sondern eine Kultur des Wegsehens, des Abwendens und der Resignation von Seiten der (weißen) Schulbürokratie.
Ein starker Film.

Kritik: "Olympus Has Fallen - Die Welt in Gefahr"

"Olympus Has Fallen" (2013), Regie: Antoine Fuqua


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"Olympus Has Fallen poster" by Believed to be Millennium Films - http://www.facebook.com/photo.php?fbid=540842625936879&set=a.519661028055039.110660.503790042975471&type=1&relevant_count=1. Licensed under Fair use via Wikipedia.

Wann immer jemand in Hollywood die Idee für einen High-Concept Film hat, verkündet ein weiteres Studio einen Konkurrenzstreifen: Seien es Vulkane (Volcano, Dante's Peak), Asteroiden (Deep Impact, Armageddon), der Mars (Mission to Mars, Red Planet) oder wie hier ein Überfall auf das Weiße Haus.
Eine ähnliche Geschichte erzählte im selben Jahr auch "White House Down" von Roland Emmerich. Doch der Film hat mich ziemlich enttäuscht, insbesondere nachdem Emmerich noch kurz zuvor mit "2012" sein persönliches Meisterwerk abgeliefert hatte.
Aber hier geht es um den Film, der es geschafft hatte, zuerst in die Kinos zu kommen. Als die Drehbuchautoren beim Studio vorstellig wurden und ihre Idee vorgetragen haben, muss das Gespräch etwa so gelaufen sein:
Studioboss: "Also? Was habt ihr?"
Autoren: "Stirb langsam im weißen Haus gemixt mit dem Anfang von Cliffhanger!"
Studioboss: "Gekauft!"
"Olympus Has Fallen" ist ein typischer "Malen nach Zahlen"-Hollywood-Actionfilm. Hochprofessionell gemacht, aber keinen Funken Originalität.
Zudem ist der Film mir dann auch noch zu brutal. Ich habe normalerweise keine Probleme mit Gewalt in Filmen, doch nach dem gefühlt vierzigsten Kopfschuss, reichte es mir dann auch irgendwann.
Welcher Film ist denn nun besser? "Olympus Has Fallen" oder "White House Down"? Beide Film haben eklatante Schwächen. Bei "WHD" fallen sie sogar noch leichter ins Augen, dennoch würde ich ihm den Vorzug geben. "OHF" ist perfekt konfektionierte Massenware, Emmerich dagegen hat zumindest ein wenig Persönlichkeit in seinen Film hinüberretten können und dies ist mir letztlich tausendmal lieber als ein seelenloses Fabrikprodukt.

Kritik: "Lifeforce - Die tödliche Bedrohung"

"Lifeforce" (1985), Regie: Tobe Hooper


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"Lifeforceposter". Via Wikipedia.

Es gibt Filme, die sind im positiven Sinne durchgeknallt, verrückt, vollkommen spinnert und dann gibt es noch Filme wie "Lifeforce"...
1982 war das Jahr des größten Erfolgs von Tobe Hooper. Sein Film "Poltergeist" kam in die Kinos und spielte riesige Summen Geld in die Kassen der Kinobetreiber. Nun gut, es gibt mehr als berechtigte Zweifel, dass Hooper alleine für das Endprodukt verantwortlich war: Steven Spielberg, der Produzent von Poltergeist, hatte die Idee zum Film, war beim gesamten Dreh anwesend, gab den Schauspielern Anweisungen, korrigierte die Kameraeinstellungen, überwachte den Endschnitt (basierend auf der ersten Version von Tobe Hooper) und arbeitete mit Jerry Goldsmith an der Filmmusik. Weil das Gemunkel in Hollywood unüberhörbar groß wurde, bedankte sich Spielberg beim "Regisseur" für die tolle Zusammenarbeit mit einer riesigen Anzeige in einen Branchenblatt.
All dies muss man voranschicken, wenn man über "Lifeforce" reden will: Tobe Hooper hatte etwas zu beweisen. Nämlich, dass er nicht nur ein Erfüllungsgehilfe mit Drogenproblemen von Spielberg gewesen war, sondern ein großer Filmemacher. Er unterschrieb einen 3-Filme-Vertrag mit der Filmfirma Cannon (die, die etwas später die Trashkanone "American Fighter" produzierten) und machte sich an die Arbeit an einem Bigbudget-Science Fiction-Vampir-Zombie-Horrorfilm mit einer Prise Sex.
Die Produktion war schwierig. Drehbuchautor Dan O'Bannon (Alien, Dark Star, Das fliegende Auge) war nominell am Skript beteiligt, letztlich soll aber nicht viel von seiner Arbeit übrig geblieben sein. Zudem gab es massive Geldprobleme, so dass die Produktion zwischenzeitlich gestoppt werden musste. Der Film wurde letztlich trotzdem abgedreht. In der Schnittfassung von Tobe Hooper war der Film 124 Minuten lang. Die Produzenten hatten an dieser Fassung jedoch einiges auszusetzen und so kürzte man den Film zunächst auf 116 Minuten und für einige Länder (darunter Deutschland) sogar auf 101 Minuten.
Diese Kürzungen sind leider schmerzlich spürbar. Dem Film eine elliptische Erzählweise in der ersten Viertelstunde vorzuwerfen, wäre eine Beleidigung für alle elliptischen Erzählweisen. Der ganze Anfang ist einfach nur übelstes Stückwerk: Space Shuttle untersucht Halleyschen Kometen. Findet im Schweif Raumschiff. Findet im Raumschiff drei humanoide Körper. Nimmt Körper mit. Space Shuttle hinüber. So grammatikalisch elegant und stringent erzählt, wie meine vorangegangenen Sätze, ist die Exposition des Films (Ich habe zum Vergleich einmal einen Blick in die Langfassung geworfen und dort wirkt der Anfang um Längen besser und kohärenter).

Auf der Erde angekommen erwachen die humanoiden Körper zum Leben, saugen den Menschen die Lebensenergie aus, verwandeln sie in Zombievampire und lösen die Apokalypse aus. Chaos. Selbstopferung. Ende mit Fragenzeichen.
Das ist der Plot des Films. Was diese Beschreibung auslässt ist, dass der Film nach einer halben Stunde vollkommen gaga wird. Und da dem Film gaga nicht genug ist, legt er regelmäßig noch eine Schippe oben drauf. Absurde Dialoge wechseln sich ab mit irren Spezialeffekten. Für den literarisch bewanderten Filmfreak sei zudem erwähnt, dass die Figur eines bekloppten Wissenschaftlers Hans Fallada heißt.
Die schauspielerischen Leistungen sind vollkommen jenseits von gut und böse. Würde man im Winter statt Oscars regelmäßig den Lifeforce Award vergeben, dann hätte Nicolas Cage mindestens 20 Stück davon. Und ich meine das als Kompliment.
Lohnt sich der Film anzuschauen? Das hängt ganz davon ab, ob man Trash zu würdigen weiß. Die ersten merkwürdigen Minuten muss man einfach durchstehen. Danach gibt es für interessierte Jünglinge die aparte Mathilda May nackt zu sehen. Und nach einer halben Stunde hat der Film sich dann endlich gefunden, schmeißt alle Konventionen über Bord und genießt seine eigene Übergeschnapptheit.
Tobe Hooper hat danach mit "Invasion vom Mars" (1986) noch einen sehr ansprechenden Film gedreht. Der Rest seiner Kinoarbeiten ist meines Wissens nicht der Rede wert (auch wenn "Texas Chainsaw Massacre 2" (ebenfalls 1986) von einigen heiß und innig geliebt wird).
Das einzig veritable und unangefochtene Meisterwerk von Tobe Hooper ist und bleibt sein Frühwerk "The Texas Chain Saw Massacre".

Kritik: "Road House"

Wenn man leicht fiebrig und mit einer kräftigen Erkältung in einem Hotelbett liegt, muss man sich mal eine ganz besondere Trashperle gönnen...

"Road House" (1989), Regie: Rowdy Herrington


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"Road-house-poster" by May be found at the following website: http://www.bubbers.com/poster/586b4809. Licensed under Fair use via Wikipedia.

"Road House" kam zwei Jahre nach "Dirty Dancing" in die Kinos und man sieht an jeder schwitzigen Pore Patrick Swayzes, dass er hier mal nicht (nur) den heißblüten Lover geben will, sondern auch als wahrer Kerl wahrgenommen werden möchte.
Swayze spielt den Geschäftsführer/Rausschmeißer Dalton, der engagiert wird den Countrysaloon aus "Blues Brothers" etwas aufzuwerten und zu mehr Klasse zu verhelfen. Dummerweise ist die Stadt, in der sich die Bar befindet in der Hand eines waschechten Psychopathen (Ben Gazzara). Und so kommt es wie es kommen muss: Fäuste fliegen, Häuser explodieren und Kehlköpfe werden mit bloßer Hand herausgerissen.
Es ist überhaupt nicht verwunderlich, dass "Road House" einen gewissen Kultstatus erreicht hat. Man ist sich den ganzen Film über nicht sicher, ob die Macher den Film ernst meinen oder sich selbst parodieren wollen. Der Film ist die reinste Testosteronwerkstatt, produziert markige, teilweise frauenfeindliche Sprüche am laufenden Band und will die Frauenwelt dabei aber nicht verlieren, in dem er lasziv den Körper. inklusive des nackten Hinterns von Patrick Swayze und die Schambehaarung von Sam Elliot abfilmt. Es kann aber auch sein, dass ich die Intention völlig falsch verstanden habe und es sich um einen der subversiv-progressivsten Softcore-Actionporno-Schwulenfilme handelt, den Hollywood je gedreht hat...
(Eine kurze Google-Suche hat ergeben, dass tatsächlich vielen Menschen ein homoerotischer Subtext aufgefallen ist.)
Zum Ende des Films wandelt sich Patrick Swayze aus Rachemotiven zu einem Amokläufer. Der Film möchte eigentlich, dass man dies als heroisches Handeln auffasst, ich fand es jedoch reichlich befremdlich. Insbesondere irritiert, dass er den Obermotz schlussendlich aus Gewissensgründen NICHT tötet, obwohl er sich gerade durch die Reihen der inkompetenten Hilfsbösewichter gemetzelt hat. Aber keine Sorge, die Drecksarbeit wird ihm abgenommen. Wäre ja noch schöner, wenn in einem 80er Jahre Film von Produzent Joel Silver, der Bösewicht lebend davonkommt.
Ja, "Road House" ist absolut absurd. Aber in seiner Absurdität auch mächtig unterhaltsam. Und ein Film, von dem es heißt, dass Bill Murray jedes Mal den Ehemann von Hauptdarstellerin Kelly Lynch anruft, um ihm zu sagen, dass gerade die Sexszene seiner Frau mit Patrick Swayze im Fernsehen läuft, hat sich seinen Platz in der Filmgeschichte verdient.

Kritik: "Das Phantom-Kommando"

"Das Phantom-Kommando" (1985), Regie: Mark L. Lester


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"Commandoposter" by http://drafthouse.com/movies/action_pack_commando/austin/austin. Licensed under Fair use via Wikipedia.

Zwischen den Meisterwerken "Nur 48 Stunden" und "Stirb Langsam" produzierte Joel Silver einen Film mit Arnold Schwarzenegger als Papa von Alyssa Milano ("Charmed") in der Hauptrolle. Ach ja, ein amerikanischer Ex-Soldat, der in Ostdeutschland geboren wurde, ist er auch noch.
Als man ihm seine Teenietochter entführt, lässt Arnie den Rambo heraus und bringt kurzerhand 100 Leute um die Ecke.
Der Film fängt noch halbwegs realistisch an, um dann von Sekunde zu Sekunde absurder zu werden. Dies muss einer der ersten Filme gewesen sein, wo die Hälfte der Dialoge von Schwarzenegger alberne Einzeiler sind. Interessanter Weise ist dies jedoch einer der Filme von Arnold, wo er eine für seine Verhältnisse überzeugende Schauspielleistung bringt.
Leider ist der Showdown dann doch ziemlich langweilig gestaltet. Arnie läuft durch eine Art Soldatencamp, schießt alles kaputt, lässt die selben zwei oder drei Häuser und einen Wachturm ca. 7 mal nacheinander explodieren. Einzige Abwechslung ist der Moment, wo noch schnell ein paar Bösewichter mit Heugabel, Machete und Sägeblätter in ihre Einzelteile zerlegt werden.
Was den Film über den Durchschnitt hebt, sind die Schauspieler und die technische Handwerkskunst. Regisseur Mark L. Lester hatte drei halbwegs gute Jahre, die mit dem Streifen "Die Klasse von 1984" aus dem Jahr 1982 anfingen, der Stephen King Verfilmung "Der Feuerteufel" und eben "Phantom Kommando". Danach war es mit dem kurzzeitigen Ruhm auch schon wieder vorbei. Nicht jeder Regisseur wusste/weiß, wie man Arnold ordentlich in Szene setzt(e) und wie man mit seinen begrenzten Fähigkeiten umgeht. Mark L. Lester konnte es - wenn vielleicht auch nicht ganz so gut wie James Cameron oder Walter Hill.
Schauspieler Vernon Wells, der mit sichtlicher Freude den Bösewicht Bennett spielt, hatte sich schon zuvor mit einer Rolle in Mad Max 2 in der Kinogeschichte verewigt - seine schönste Rolle war aber wahrscheinlich die des Mr. Igoe in "Die Reise ins Ich" zwei Jahre nach diesem Film.