Mittwoch, 17. September 2014

Kritik: "Nur 48 Stunden" / "Und Wieder 48 Stunden"

"Nur 48 Stunden" (1982), Regie: Walter Hill


Forty eight hrs.jpg
"Forty eight hrs" by http://www.impawards.com. Licensed under Fair use via Wikipedia.

4. August 1982

Regisseur Walter Hill dreht sich, nachdem eine der wichtigsten Szenen im Kasten ist, zu Produzent Joel Silver um und sagt:"Ich bin reich!"

Der Dreh dieser Szene war der Moment als ein Star geboren wurde, der die Kinolandschaft für die kommenden zwei Jahrzehnte prägen sollte: Bei der besagten Szene handelte es sich natürlich um die Sequenz in der Eddie Murphy in einer Redneck-Bar die Kundschaft aufmischte.

Noch zwei Monate zuvor hatte das Filmstudio Paramount die Hosen voll: "Der Film ist nicht witzig genug. EDDIE ist nicht witzig genug."

Tja, so kann man sich täuschen. "Nur 48 Stunden" ist ein Meisterwerk des Actionfilms. Er hat in den vergangenen 32 Jahren weder an Witz, noch an Spannung eingebüßt. Und er ist überraschend aktuell. Nach den immer wieder erschreckenden Meldungen über Rassismus in den Vereinigten Staaten, hat der Moment, wenn Eddie Murphy gegenüber den Rednecks verkündet "There's a new sheriff in town!" nichts von seiner Brisanz verloren.

"Nur 48 Stunden" handelt vom Cop Jack Cates (Nick Nolte, wundervoll durch seine Dialoge grummelnd), der versucht die zwei flüchtigen und äußerst brutalen Gangster Gantz und Billy Bear dingfest zu machen. Sein einziger Anhaltspunkt ist dabei Reggie Hammond, ein ehemaliger Partner von Gantz, der aber noch im Gefängnis sitzt. Cates holt Hammond aus dem Knast, um ihm bei der Fahndung zu helfen. 48 Stunden verbleiben ihm, bis Hammond wieder einsitzen muss. Genau 48 Stunden um die Gangster zu fassen.

Walter Hill inszeniert den Film wundervoll und ohne Mätzchen. Sein Stil ist nahezu unsichtbar: Ganz nebenbei gelingen ihm dabei phantastische Sequenzen, wie das Chaos auf einer Polizeistation relativ am Anfang des Film, in der Hill die Szenerie in einer unglaublichen langen Einstellung ohne jeglichen Schnitt einfängt - ohne jemals dabei den Eindruck erwecken zu wollen: Guck mal, was ich für ein toller Regisseur bin.

Mit Frauenfiguren kann Walter Hill auch hier nichts anfangen. Annette O'Toole spielt die Freundin von Nick Nolte, die so ihre Probleme mit dem rauen Cop hat. Aber die Figur ist im Grunde nur da, um das Privatleben von Jack Cates anzudeuten und hat keine Substanz. Der Rest der weiblichen Charaktere löst bei Alice Schwarzer garantiert nur Sodbrennen aus.

"Nur 48 Stunden" bildet zusammen mit "Lethal Weapon - Zwei stahlharte Profis" die Speerspitze des Buddy Cop Genres aus den 80er und 90er Jahren. Danach kommt lange nichts mehr.

Lesetipp: Die 48hrs Tagebücher (10-teilig) des Drehbuchautoren Larry Gross über die Dreharbeiten zum Film.


"Und wieder 48 Stunden" (1990), Regie: Walter Hill


Another forty eight hours.jpg
"Another forty eight hours". Via Wikipedia.

Manchmal hat man einfach Fortuna auf seiner Seite. Ist ein Film ein Riesenerfolg (hier sowohl beim Publikum als auch bei Kritik), da werden natürlich die Begehrlichkeiten geweckt, dass man mit einer Fortsetzung die Magie des ersten Films wiederholt.
Wenn man dann auch noch die Stars und den Regisseur wiedervereint - was kann da schon schiefgehen? Nichts, wenn der Film "Lethal Weapon 2 - Brennpunkt L.A." heißt. Dummerweise muss ich hier aber ein paar Worte über "Und wieder 48 Stunden" niederschreiben und bei diesem Machwerk hatte Fortuna Urlaub.

Das größte Problem von "Und wieder 48 Stunden" ist das Drehbuch, dass sich nicht besonders viel Mühe gibt, um die Protagonisten wieder zu vereinen. Die Witze sind schwach und die Streitereien zwischen Nick Nolte und Eddie Murphy, die einen enormen Teil des Charmes im ersten Film ausmachten, wirken nur noch angestrengt. Dies wird noch durch die deutsche Synchronisation verstärkt, die Nolte rassistische Beschimpfungen gegenüber Eddie Murphy in den Mund legt, die auf der Originaltonspur nicht zu finden sind.

Der Film schiebt zudem zeitweilig die Hauptgeschichte einfach beiseite, um kleine, vermeintlich witzige Szenen zu präsentieren, die einfach nicht zünden wollen.

Ab der zweiten Hälfte des Films greifen zumindest die Plotmechanismen und das Filmhandwerk, um auf einem sehr niedrigen Niveau zu unterhalten. Aber Spaß machen weder die Schauspieler, die Actionsequenzen (mit der Ausnahme von einem visuellen Gag mit Russ Meyer-Ikone Kitten Natividad), noch die uninspirierte Regie.

Einfach nur den Gehaltsscheck einzulösen und am Set aufzutauchen, reicht eben nicht aus, um einen einigermaßen vernünftigen Film hinzubekommen.

Ich war froh, als der Film vorbei war.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen