Montag, 15. September 2014

Kritik: "Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou"

"Die Tiefseetaucher mit Steve Zissou" (2004), Regie: Wes Anderson


Lifeaquaticposter.jpg
"Lifeaquaticposter". Via Wikipedia.

In "Die Tiefseetaucher" spielt Bill Murray (brillant wie immer) den Meeresforscher und Filmemacher Steve Zissou, der seine besten Zeiten weit hinter sich gelassen hat. Gefangen in tiefer Depression und der damit verbundenen Unfähigkeit Gefühle zu empfinden und zu äußern, lebt er sein Leben in einer Art Wachkoma. Sein bester Freund und Partner Esteban wurde jüngst von einem "Jaguar-Hai" gefressen und sein neuestes Unterfangen ist es, das Raubtier wiederzufinden und zu töten. 

Auch wenn es sich in Teilen so anhört, so ist der Film weder Komödie, Tragödie, Drama oder Actionfilm. Das einzige Genre, dem der Film angehört, ist der Name des Regisseurs: Wes Anderson.

Ich frage mich, ob Anderson mittlerweile seine Art Filme zu machen patentiert hat. Wes Anderson (Ich kannte bisher nur "Rushmore" und "Die Royal Tenenbaums") präsentiert seine Geschichten immer auf höchst artifizielle Weise. Der Schauspielstil, die Ausstattung, der Soundtrack: Immerzu scheint der Film zu schreien:"Schau mich an! Ich bin ein KINOFILM! Ich bin nicht echt". Wo andere Filmemacher versuchen, die Zuschauer mit allen Tricks, die Ihnen zur Verfügung stehen, in den Film hineinzuziehen, so sind die Werke von Wes Anderson wie Gemälde in einem Museum: Sich darin zu verlieren, benötigt die Mitarbeit des Betrachters.

Bevölkert wird "Die Tiefseetaucher" von einem wundervollen Ensemble (u.a. Anjelica Huston, Cate Blanchett, Owen Wilson), wobei Willem Dafoe als Klaus Daimler, der schwäbischen rechten Hand Zissous den anderen Schauspieler zunehmend die Schau stiehlt.

"Die Tiefseetaucher" lässt Steve Zissou nach und nach aus seiner tiefen Depression erwachen und wieder Mensch werden. Der Auslöser hierfür ist das Zusammentreffen mit Ned Plimpton (Owen Wilson), der vielleicht - aber vielleicht auch nicht der leibliche Sohn von Steve Zissou ist. Cate Blanchett spielt eine Journalistin, die einen großen Artikel über Zissou schreiben soll, aber mit ihren eigenen Sorgen zu kämpfen hat. Hinter der künstlichen, scheinbar kühlen Fassade des Films, brodeln wahre Emotionsstürme.

"Die Tiefseetaucher" ist ein sehr drollig-komischer Film, exquisit gefilmt und inszeniert, dem es gelingt in seinen Schlussminuten äußerst anrührend zu werden.

Sehr zu empfehlen.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen