"Lifeforce" (1985), Regie: Tobe Hooper
"Lifeforceposter". Via Wikipedia.
Es gibt Filme, die sind im positiven Sinne durchgeknallt, verrückt, vollkommen spinnert und dann gibt es noch Filme wie "Lifeforce"...
1982 war das Jahr des größten Erfolgs von Tobe Hooper. Sein Film "Poltergeist" kam in die Kinos und spielte riesige Summen Geld in die Kassen der Kinobetreiber. Nun gut, es gibt mehr als berechtigte Zweifel, dass Hooper alleine für das Endprodukt verantwortlich war: Steven Spielberg, der Produzent von Poltergeist, hatte die Idee zum Film, war beim gesamten Dreh anwesend, gab den Schauspielern Anweisungen, korrigierte die Kameraeinstellungen, überwachte den Endschnitt (basierend auf der ersten Version von Tobe Hooper) und arbeitete mit Jerry Goldsmith an der Filmmusik. Weil das Gemunkel in Hollywood unüberhörbar groß wurde, bedankte sich Spielberg beim "Regisseur" für die tolle Zusammenarbeit mit einer riesigen Anzeige in einen Branchenblatt.
All dies muss man voranschicken, wenn man über "Lifeforce" reden will: Tobe Hooper hatte etwas zu beweisen. Nämlich, dass er nicht nur ein Erfüllungsgehilfe mit Drogenproblemen von Spielberg gewesen war, sondern ein großer Filmemacher. Er unterschrieb einen 3-Filme-Vertrag mit der Filmfirma Cannon (die, die etwas später die Trashkanone "American Fighter" produzierten) und machte sich an die Arbeit an einem Bigbudget-Science Fiction-Vampir-Zombie-Horrorfilm mit einer Prise Sex.
Die Produktion war schwierig. Drehbuchautor Dan O'Bannon (Alien, Dark Star, Das fliegende Auge) war nominell am Skript beteiligt, letztlich soll aber nicht viel von seiner Arbeit übrig geblieben sein. Zudem gab es massive Geldprobleme, so dass die Produktion zwischenzeitlich gestoppt werden musste. Der Film wurde letztlich trotzdem abgedreht. In der Schnittfassung von Tobe Hooper war der Film 124 Minuten lang. Die Produzenten hatten an dieser Fassung jedoch einiges auszusetzen und so kürzte man den Film zunächst auf 116 Minuten und für einige Länder (darunter Deutschland) sogar auf 101 Minuten.
Diese Kürzungen sind leider schmerzlich spürbar. Dem Film eine elliptische Erzählweise in der ersten Viertelstunde vorzuwerfen, wäre eine Beleidigung für alle elliptischen Erzählweisen. Der ganze Anfang ist einfach nur übelstes Stückwerk: Space Shuttle untersucht Halleyschen Kometen. Findet im Schweif Raumschiff. Findet im Raumschiff drei humanoide Körper. Nimmt Körper mit. Space Shuttle hinüber. So grammatikalisch elegant und stringent erzählt, wie meine vorangegangenen Sätze, ist die Exposition des Films (Ich habe zum Vergleich einmal einen Blick in die Langfassung geworfen und dort wirkt der Anfang um Längen besser und kohärenter).
Auf der Erde angekommen erwachen die humanoiden Körper zum Leben, saugen den Menschen die Lebensenergie aus, verwandeln sie in Zombievampire und lösen die Apokalypse aus. Chaos. Selbstopferung. Ende mit Fragenzeichen.
Auf der Erde angekommen erwachen die humanoiden Körper zum Leben, saugen den Menschen die Lebensenergie aus, verwandeln sie in Zombievampire und lösen die Apokalypse aus. Chaos. Selbstopferung. Ende mit Fragenzeichen.
Das ist der Plot des Films. Was diese Beschreibung auslässt ist, dass der Film nach einer halben Stunde vollkommen gaga wird. Und da dem Film gaga nicht genug ist, legt er regelmäßig noch eine Schippe oben drauf. Absurde Dialoge wechseln sich ab mit irren Spezialeffekten. Für den literarisch bewanderten Filmfreak sei zudem erwähnt, dass die Figur eines bekloppten Wissenschaftlers Hans Fallada heißt.
Die schauspielerischen Leistungen sind vollkommen jenseits von gut und böse. Würde man im Winter statt Oscars regelmäßig den Lifeforce Award vergeben, dann hätte Nicolas Cage mindestens 20 Stück davon. Und ich meine das als Kompliment.
Lohnt sich der Film anzuschauen? Das hängt ganz davon ab, ob man Trash zu würdigen weiß. Die ersten merkwürdigen Minuten muss man einfach durchstehen. Danach gibt es für interessierte Jünglinge die aparte Mathilda May nackt zu sehen. Und nach einer halben Stunde hat der Film sich dann endlich gefunden, schmeißt alle Konventionen über Bord und genießt seine eigene Übergeschnapptheit.
Tobe Hooper hat danach mit "Invasion vom Mars" (1986) noch einen sehr ansprechenden Film gedreht. Der Rest seiner Kinoarbeiten ist meines Wissens nicht der Rede wert (auch wenn "Texas Chainsaw Massacre 2" (ebenfalls 1986) von einigen heiß und innig geliebt wird).
Das einzig veritable und unangefochtene Meisterwerk von Tobe Hooper ist und bleibt sein Frühwerk "The Texas Chain Saw Massacre".
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