"DER CITY HAI" (1986), Regie: John Irvin
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Im Frühsommer 1986 liefen im Abstand von zwei Wochen Filme der Actionschwergewichte Sylvester Stallone und Arnold Schwarzenegger an. Als erstes kam Stallones "Die City-Cobra" in die Kinos und war ein großer Kassenerfolg. Schwarzeneggers Film "Der City Hai" ging dagegen vollkommen im Kino unter. Die Kritiken waren böse und machten sich über Schwarzeneggers Kampf mit der englischen Sprache (wiedereinmal) lustig. Der Flop war so gigantisch, dass die Firma von Dino De Laurentiis bankrott ging und die Rechte an der Verfilmung von "Total Recall" an Carolco verkauft wurden. "City Hai" ist es somit zu verdanken, dass wir auf eine Total Recall-Verfilmung mit Patrick Swayze in der Hauptrolle verzichten müssen.
Vermutlich aufgrund dieser Vorgeschichte gehörte für mich "Der City Hai" wie ein verstoßenes Stiefkind zur Filmographie von Schwarzenegger. Ich war auf das schlimmste gefasst. Aber - Holla, die Waldfee! - wie kann man sich doch täuschen:
"Der City Hai" ist alles andere als die filmische Katastrophe, die man uns weiß machen wollte.
"Der City Hai" ist alles andere als die filmische Katastrophe, die man uns weiß machen wollte.
Fahren wir doch mal ganz kurz eine Auflistung der beteiligten Personen auf:
- Regisseur ist John Irvin, der den übergalaktischen Horrorfilm "Ghost Story" mit Fred Astaire und Alice Krige gedreht hat
- Schnitt: Anne V. Coates (Lawrence von Arabien)
- Kamera: Alex Thomson (Legende, Die Reise ins Labyrinth, Alien3, Cliffhanger)
- Regisseur ist John Irvin, der den übergalaktischen Horrorfilm "Ghost Story" mit Fred Astaire und Alice Krige gedreht hat
- Schnitt: Anne V. Coates (Lawrence von Arabien)
- Kamera: Alex Thomson (Legende, Die Reise ins Labyrinth, Alien3, Cliffhanger)
Dieses Personal garantiert größtmögliche handwerkliche Perfektion. Weit entfernt vom heutigen Wackelkamerastil und Stakkatoschnitt wird die Action hier jederzeit geographisch übersichtlich und präzise präsentiert. Ist die Szene ernst und düster, tut jeder Schlag im Film sichtbar weh. Ist die Szenerie dagegen eher leichter und überdreht, so wird die Action ebenfalls comichafter.
Aber kommen wir mal zum unglaublichsten Teil: Arnold Schwarzenegger schauspielert und zwar richtig gut! Ja, die Kritiker haben zum Teil recht. Wenn Arnold einen Satz wie "He molested, murdered and mutilated her!" sagen soll, klingt das ziemlich unrund, aber es ist traurig, dass man übersehen hat, dass er hier gefordert wurde eine wirkliche Figur zum Leben zu erwecken. Arnold spielt keine dumpfe Actionpuppe, sondern einen ziemlich smarten Undercovercop, der eine Mafiabande zu Fall bringt. Natürlich bekommt Arnie auch wieder diverse Sprüche in den Mund gelegt, dies ändert aber nichts daran, dass er auch jenseits dieser Sprüche eine wirklich witzige und zum Teil subtile Performance zeigt. Und wir reden hier absolut nicht von unbeabsichtigter Komik.
John Irvin reichert den Film darüber hinaus mit sehr viel visuellem Witz an und sorgt dafür dass alle wichtigen Hauptfiguren ausreichend Raum bekommen, um nicht nur irgendwelche Stichwortgeber zu sein, damit die nächste Actionsequenz starten kann. Ich war regelrecht geschockt, wie viel Raum der Film Darren McGavin, in der Rolle des ehemaligen Vorgesetzten und Mentors von Schwarzenegger gibt, um dessen Trauer und Wut über den Tod seines Sohnes darstellen zu können. Aber auch die Bösewichter werden nicht nur als Pappkameraden dargestellt. Auch ihren Schauspielern gibt Irvin die Möglichkeit anhand kleiner Charaktermomente, ihre Figuren dreidimensionaler als in vielen anderen Filmen auszugestalten.
Leider kann der Film seine Qualität in der zweiten Hälfte nicht halten und wirkt zunehmend belanglos. Aber wenn der Film dann zu sehr in 08/15 Territorium abzudriften droht, zeigt John Irvin zumindest noch britischen Witz: Eine klassische Standardactionszene in der Arnie in seinem Coupe herumfährt und haufenweise Leute abballert, konterkariert Irvin in dem es lauthals von der Tonspur "(I can't get no) Satisfaction" von den Stones dröhnt. Herrlich!
Ein übersehenes Kleinod aus der frühen Schaffensphase von Arnold Schwarzenegger.
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